Geschichte

Die GBG baute an der Gartenstadt mit

Siedlung für kinderreiche und alte Menschen

Die zunehmende Arbeitslosigkeit brachte immer mehr Menschen in wirtschaftliche Not. Mietausfälle häuften sich. 1928 beschloss die Genossenschaft, die Bautätigkeit vorerst einzustellen. Der ursprüngliche Plan von Esch und Anke, den Westring durch einen Ostring zu schließen, wurde fallen gelassen. Vertragsgemäß fielen die Erbbaugrundstücke an die Stadt zurück, die sie zum Teil der gemeinnützigen Baugesellschaft überließ und teilweise an private Interessenten vergab. In den Jahren 1929 und 1930 erbaute die GBG hier die „Siedlung für Kinderreiche“ und „für Alte Leute“. Die 72 Häuser, „errichtet in Zeilenbauweise mit zugeordnetem Garten“, boten Raum für 144 Wohnungen, steht im Buch „75 Jahre GBG“. Die Wohnungseingänge für das Erdgeschoss und das Obergeschoss lagen auf verschiedenen Seiten. Durchschnittlich acht Personen wohnten auf 72 Quadratmetern (4 Zimmer, Küche, Bad). Nur zum Teil mit Bad ausgestattet waren die Wohnungen für alte Leute. Deshalb unterhielt die GBG ein Zentralbad. Weitere 98 Wohneinheiten kamen 1931 hinzu. Um die Mieten zu verringern, wurde die Grundfläche verkleinert und der zweite Eingang aufgegeben.

Die Alternative hieß Gemeinschaftsarbeit

Noch während der Weimarer Republik entstand durch die GBG 1931 die Kleinsiedlung rund um den Kuhbuckel/ Sonnenschein/ Neues Leben.

Hubert Perl, Ehrenvorsitzender der „Siedlergemeinschaft Neues Leben“, weiß, dass sein Vater am 10. November 1931 in einer Gruppe von 24 Familien in der Lampertheimer Straße mit der Bauarbeit begann. Die Idee war, Kleinsiedlungskolonien mit mindestens 20 Stellen für Erwerbslose zu schaffen. Um die Kosten so niedrig wie möglich zu halten, baute man so klein wie möglich: auf 34 Quadratmeter, die immerhin 3000 Reichsmark kosteten. Nach einer 3-jährigen Probezeit hatte man Anspruch auf Eigentumsübertragung.

Siedlungshäuser am Lampertheimer Weg um 1932

Die GBG war Träger der Kleinsiedlung. Bei der Auswahl der Siedler durch die Amtsstellen, vor allem die Fürsorge, kam es darauf an, keinen Eintrag im Strafregister zu haben und Erfahrung in Gartenbau und Viehzucht vorweisen zu können. Die Selbsthilfegruppen waren so organisiert, dass auch Facharbeiter, wie Maurer und Zimmerleute darunter waren. Während der Bauzeit gab es weiterhin Unterstützung vom Arbeitsamt. Täglich kamen die Frauen und legten mit ihren Männern nach Feierabend die Gärten an. Man war gehalten, sich von der eigenen Scholle zu ernähren. Im Mai 1932 zog Familie Perl ein. Gemeinsam wurden die Gartenzäune erstellt. Die Klappläden bekamen wegen der Einheitlichkeit den gleichen Farbanstrich. Für die Stadtkinder wie Hubert Perl war es eine neue Welt: Sandhaufen zum Spielen, der Kuhbuckel und der Wald in unmittelbarer Nähe. Auch der Anbau von Obst und Gemüse und die Haltung von Schweinen, Ziegen, Hühnern, Gänsen und Hasen waren neue Erfahrungen. Das Wohnen in der Randsiedlung hatte auch Nachteile: Weite Wege, kein elektrisches Licht, das Wasser musste mit dem Brunnen gepumpt werden und es gab Pullöcher. Weil die Siedler erkannten, dass sie nur in der Gemeinschaft stark sind und ihre Probleme so besser lösen konnten, gründeten sie ihren Verein. Mit 16 Reichsmark tilgte Familie Perl ihre Schulden bei der GBG bis Mitte der 50er Jahre.

Auch während der Nazi-Diktatur gab es seitens der Gartenstadt-Genossenschaft keine Bautätigkeit. Sehr herausgestellt wurden jedoch Instandsetzungsarbeiten, neue Anstriche und Verputze.

Die wachsende Zahl der Eheschließungen und der Abriss der in der Weimarer Republik geduldeten städtischen Barackensiedlungen verschärften die bestehende Wohnungsnot. Die Förderung vorstädtischer Kleinsiedlungen mit Häusern von 60 Quadratmetern Wohnfläche, aber großen Gärten zur Selbstversorgung erhielt neuen Auftrieb. Zwischen Waldpforte, Karlsternstraße, Am Herrschaftswald und um die Neueichwaldstraße entstand die Neueichwaldsiedlung. Gemeinschaftsarbeit sollte die Kosten so gering wie möglich halten. Tatsächlich griff man auf bereits bestehende Ideen und Pläne zurück. Der Unterschied: In der Weimarer Zeit baute man Erwerbslosensiedlungen; im Dritten Reich Siedlungen für erwerbstätige Arbeitnehmer, die möglichst ihre Ersparnisse einbrachten. Zwar gab es auch in der Weimarer Republik Auswahlkriterien wie „guter Wille, Energie zum Durchhalten und Verantwortungsbewusstsein“, aber bei den Nationalsozialisten wurde „auf die Grundsätze der Erhaltung der Rasse und Erbgesundheit ausschlaggebender Wert gelegt“, so im Buch „75 Jahre GBG“. Allerdings: Fast 40 Prozent der Siedlerstellen waren noch vor der Machtübernahme durch die Nazis besetzt worden. Wer politisch mitmachte, hatte finanzielle Vorteile: SA-Siedler erhielten ein Zusatzdarlehen, das einen erheblichen Teil des benötigten Eigenkapitals abdeckte. Wie das folgende Beispiel zeigt, konnte mancher ohne eigene finanzielle Mittel ein Siedlungshaus erwerben. Siedlungshaus: 6550 RM; Reichsdarlehen: 5550 RM; Eigenleistung: 1000 RM; SA-Darlehen: 500 RM; Arbeitgeberdarlehen für Bedienstete des Reichs und der Kommune: 500 RM. Allgemein war das Haus nach 20 bis 25 Jahren abbezahlt und ging endgültig in Eigentum über.

Aus heutiger Sicht war die gemeinsame Arbeit unter der Anleitung von Facharbeitern mit großen Strapazen verbunden. So musste beispielsweise die Erde mit Schubkarren aus der Baugrube gefahren, das Gebälk mit der Hand zugeschnitten sowie auf Förderbänder und Betonmischer verzichtet werden. War ein Haus fertig gestellt, entschied das Los über die Vergabe, um gleichmäßige Qualität zu gewährleisten.

Nach 1936 mangelte es infolge der Aufrüstungspolitik an Baumaterial. Für die Kellerdecken verwendete man anstelle von Formeisenträgern Eisenbeton und Baustahlgewebe. Hierfür wurde die alte Mauertechnik von Gewölben wieder entdeckt und neu erlernt. Charakteristisch für den Grundriss der Siedlungshäuser war die T-Form mit angebautem Stall. Die Infrastruktur ließ sehr zu wünschen übrig: Straßen waren nur notdürftig ausgebaut, Wasser musste aus Brunnen geschöpft werden, Kanalisation gab es nicht und anfangs erleuchtete auch kein Strom die Häuser.

Neben den Siedlungshäusern baute man in den Straßenzügen Hainbuchenhof, Eschenhof, Waldmeisterhof und Maiblumenhof so genannte Volkswohnungen zur Miete. Gedacht waren sie wie die Siedlungshäuser für eine Familie oder als zweigeschossige Doppelwohnhäuser für je vier Familien. Auch hier gehörte viel Nutzland zum Eigenanbau dazu. Bedeutsam war die Mithilfe der zukünftigen Mieter beim Bau, um niedrige Mieten zu ermöglichen. Viele Bewohner kamen aus den Barackensiedlungen. Oft bespritzte die Feuerwehr die häufig schmutzigen, feuchten Holzverschläge ausgiebig mit Wasser, um die wilden Siedler zum Auszug zu bewegen.

Dass dem Siedlungsgebiet Neueichwald hohe nationalsozialistische Bedeutung beigemessen wurde, zeigte die Absicht der Stadt, ein Denkmal in der Siedlung zu errichten. Es sollte Ecke Märker Querschlag/Hainbuchenweg stehen. Neben diesem Bildhauerwettbewerb schrieb die Stadt einen Wettbewerb für Wandmalereien an Giebelwänden aus. Einer der Preisträger war der bekannte Mannheimer Maler Rudi Baerwind. Allerdings: Es blieb bei den Entwürfen. Spezielle Siedlungsfahrten, organisiert vom Verkehrsverein, brachten viele Besucher in die Gartenstadt.

Aufregung herrschte, als 1934 bei einer nachträglich durchgeführten erblichen Untersuchung eine Anzahl von Siedlern ausscheiden musste.

Bildquellen

  • Freyaplatz: Heinz Egermann