Geschichte

 100 Jahre Gartenstadt – ein geschichtlicher Überblick

Die Idee wurde in England geboren

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam der Londoner Gerichtsstenograf Ebenezer Howard mit Menschen in Berührung, die aus Verzweiflung straffällig geworden waren. Die wachsende Landbevölkerung fand keine ausreichenden Lebensbedingungen mehr. Eine immer größer werdende Menschenmenge zog mit der Industrialisierung ab Mitte des 19. Jahrhunderts in die Städte. Diese Landflucht verursachte die Verelendung der Massen: Die Löhne fielen, die Mieten und Lebensmittelpreise stiegen. In erbärmlichen Quartieren hausten die Arbeiter auf engstem Raum.

Howard erkannte, wie der großstädtischen Überbevölkerung begegnet werden konnte: mit erschwinglichen, lebenswerten, kleineren Wohnungen draußen auf dem flachen Land. Das Modell einer Gartenstadt stellte er 1898 in seinem Buch „To-Morrow: A Peaceful Path to Real Reform“, 1902 als „Garden Cities of To-Morrow“ neu aufgelegt, der Öffentlichkeit vor. Aber es blieb nicht nur bei der Theorie: 1903 wurde Letchworth, rund 50 Kilometer von London entfernt, als erste Gartenstadt der Welt gegründet. Was ist eigentlich eine Gartenstadt? – Die damalige Planungsgesellschaft beschrieb sie 1919 so: „Eine Gartenstadt ist eine Stadt, die für gesundes Leben und für Arbeit geplant ist: groß genug, um ein volles gesellschaftliches Leben zu ermöglichen, aber nicht größer, umgeben von einem Gürtel offenen (landwirtschaftlich genutzten) Landes. Die Böden des gesamten Stadtgebietes befinden sich in öffentlicher Hand oder werden von einer Gesellschaft für die Gemeinschaft der Einwohner verwaltet.“ Die Vorteile des Stadtlebens und des Landlebens werden miteinander vereint, wobei man die Nachteile ausklammert.

 

Bildquellen

  • Freyaplatz: Heinz Egermann